Alfred Hackensberger:
Der kulturelle Relativismus in reinster Form bestenfalls verharmlosend, in Wirklichkeit aber gefährlich verdummend!
Von Felix Struening
Der ‚kulturelle Relativismus‘ bezeichnet eine Position, die unter keinen Umständen, eine Kultur höher als eine andere bewerten will. Insbesondere nicht die eigene. Die Folge davon ist, dass alle Traditionen anderer Völker akzeptiert werden, ob sie nun menschlich sind oder nicht. Dies betrifft vor allem die z.T. barbarischen Methoden in den islamischen Ländern und ihren Import nach Europa. An dem vorliegenden Buch des Journalisten Alfred Hackensberger lässt sich diese relativierende Position hervorragend vorführen.
Titel und Aufmachung des Werkes als Lexikon sollen Glaubwürdigkeit, Neutralität und Geltungsanspruch vermitteln, dabei schildert der Autor häufig seine eigene Erfahrung und Meinung. Zu 100 angeblichen Irrtümern über den Islam äußert er sich erstaunlich unwissend und permanent verharmlosend. Diese fatalen Fehlinterpretationen und Unterschlagungen sollen hier an einigen Beispielen gezeigt werden.
Kopftuch:
Das Kopftuch sei „Ausdruck einer neuen islamischen Populärkultur“ und ein „Zeichen der Befreiung und Selbstbestimmung“ der muslimischen Frauen. Als Beweis dafür führt der Autor Afghanistan an, wo die Frauen nach der Befreiung von der Taliban-Diktatur den Schleier nicht abgelegt hätten. Welche Blindheit für einen Auslandskorrespondenten! Die afghanischen Frauen trauen sich einfach nicht, die Schleier abzulegen, denn sie werden mit Prügel und Mord bedroht. Ein ähnlicher Trend ist im Osten der Türkei zu beobachten: Immer mehr Mädchen und Frauen verschleiern sich oder tragen das Kopftuch, weil sie mit Säureangriffen bedroht werden.
Das Kopftuch werde in vielen – auch nicht muslimischen – Regionen u Glaubensgemeinschaften er Welt getragen, deswegen sei es kein explizit islamisches Symbol. Dass es aber speziell im Islam zur Unterdrückung der Frau und als politisches Symbol benutzt wird, sieht der Autor nicht. Der wiederkehrende Trend zum Kopftuch hat nichts mit Populärkultur zu tun, sondern ist Ausdruck einer weltweiten Renaissance des politischen Islam und des Islamismus. Denn in Europa braucht sich eigentlich keine Muslima vor irgendwelchen männlichen Sexmonstern unter dem Kopftuch zu verstecken.
Frauen:
Alfred Hackensberger lebt selbst in Marokko und beschreibt die Frauen dort als frei. Allerdings können sie nicht in Discos gehen und auch nicht nach 21 Uhr auf die Straße. Beides sei Prostituierten vorbehalten. Der Autor tut dies mit „Andere Länder, andere Sitten…“ ab. Wie blauäugig muss man sein, um diese soziale Gleichschaltung nicht zu begreifen? Dass eine Frau sich abends nicht frei auf der Straße bewegen kann, weil sie dann als Sexobjekt degradiert wird, sei normal? Nein, denn die aufgeführten Beispiele zeigen die ausgehöhlte Moral deutlich: Die Frauen haben Angst, sich zu „erniedrigen und vielleicht auch noch den guten Ruf [zu] verlieren“, wenn sie etwa nach der Disco einfach mit jemanden Sex haben.
Koran:
Der Koran hat viele sich widersprechende Verse und kann deswegen beliebig für Gewalt und Krieg, aber auch Frieden und Liebe herangezogen werden. Es existiert also nicht nur eine Botschaft des Korans, wie der Autor richtig festhält. Was er aber unterschlägt, ist dass später offenbarte Suren die früheren annullieren, sollten sie sich widersprechen. Da bei der Niederschrift des Korans die Suren einfach nach Länge sortiert wurden, ist die historische Chronologie allerdings kaum noch festzustellen. Als gesichert gilt hingegen, dass die gewalttätigen Verse aus späterer Zeit stammen, als der Prophet Mohammed bereits eine wehrtüchtige Gefolgschaft hatte. Alfred Hackensberger schreibt stattdessen den z.T. nicht authentischen Hadithen, den Beschreibungen von Mohammeds Taten und Worten, die Schuld zu. Aber sowohl das Kopftuch (Sure 24, Vers 31), die Halbwertigkeit der Frau (Sure 2, 282 und Sure 4, 34) als auch die Todesstrafe bei Abfall vom Glauben (Sure 2, 191-193) sind bereits im Koran angelegt.
Für viele gilt der Koran als wortwörtlich zu nehmen (Sure 2, 2) und auch Alfred Hackensberger setzt ihn mit einem Gesetzeswerk gleich wenn er ihn beispielsweise mit dem ‚Code Napoléon‘ von 1804 vergleicht. Natürlich hat er recht, dass nicht alle Muslime Islamisten sind. Aber sie übernehmen eben auch nicht die Verantwortung, gewalttätige Verse aus dem Koran zu verbannen oder sich gegen die islamischen Terroristen zu stellen.
Kultureller Relativismus – oder wie man niemals Verantwortung übernimmt
Immer wieder führt Alfred Hacken erger an, dass diese oder jene (Un-)Sitte schon aus vorislamischer Zeit stamme oder aber auch in anderen kulturellen Gruppen praktiziert werde. Aber was hilft diese ständige Relativierung und Verharmlosung? Deswegen werden das Kopftuch oder die grausame Beschneidung der Frauen nicht besser. Dass diese Traditionen vorwiegend in islamischen Ländern praktiziert werden und oft eine religiöse Legitimation erhalten, sollte für eine scharfe Kritik eigentlich ausreichen.
Gutmenschentum & Appeasement-Politik
Den Vogel schießt der Autor jedoch ab, wenn er der ‚Muslim Bruderschaft‘ und der in Deutschland ansässigen ‚Milli-Görus‘ (IGMG) „friedliche und demokratische Mittel“ zuschreibt. Stattdessen betreiben diese Organisationen des politischen Islam die gezielte Unterwanderung Europas und werden deswegen vom Verfassungsschutz beobachtet oder sind verboten. Der Verfasser erteilt allerdings auch der Terrororganisation Hisbollah die Absolution. Solche Gutmenschen wie Alfred Hackensberger sind ebenso wie unsere feigen Politiker das eigentliche Problem: Sie lassen mit ihrer Appeasement-Politik zu, dass die Islamisten die europäischen Freiheiten unterwandern. Irrtümer über den Islam gibt es in diesem Buch zahlreich. Irren tut sich freilich nur der Autor. Deswegen kann das Werk bestenfalls verharmlosend genannt werden – in Wirklichkeit ist es sogar gefährlich verdummend!
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Alfred Hackensberger: Lexikon der Islam-Irrtümer. Vorurteile, Halbwahrheiten und Missverständnisse von Al-Qaida bis Zeitehe, Eichborn, 2008, ISBN: 3821856742, 19.95 €
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