Henryk M. Broder:
Ein wahres Kompendium des Versagens unserer Politiker gegenüber dem Islam – leider ohne zu Konsequenzen und klaren Forderungen zu führen!
Von Felix Struening
Im Herbst 2006, die Mohammed-Karikaturen-Krise war gerade abgeflaut und die Regensburger Papstrede hatte erneut künstliche Empörung bei den Muslimen hervorgerufen, erschien in Deutschland ein Buch des bekannten Kolumnisten Henryk M. Broder unter dem provokanten Titel „Hurra, wir kapitulieren“. Mit bissiger und scharfsinniger Satire brachte der Autor das feige Gutmenschentum unserer Politiker gegenüber dem Islam auf den Punkt. Den Muslimen hingegen unterstellte Broder, chronisch beleidigt zu sein. Das kämpferische Büchlein schoss innerhalb kürzester Zeit auf Platz eins der Bestsellerliste und hielt sich dort über mehrere Wochen und Auflagen. Die heftigen Diskussionen zeigten, dass Broder wohl den Nerv der Zeit getroffen hatte.
Zwei Jahre später: Mit großer Spannung wird das neue Buch Broders erwartet, er liest in völlig überfüllten und ausverkauften Hallen. Der vielversprechende Titel „Kritik der reinen Toleranz“ deutet darauf hin, dass es wieder um das Appeasement deutscher und europäischer Politiker geht, die lieber unsere Freiheit verkaufen, als Gefahr zu laufen, sich positionieren zu müssen oder als rassistisch zu gelten. Der Leser hofft, eine ähnlich polemische aber intelligente Argumentation wie im Vorgänger zu lesen, zumal das Buch der mittlerweile verstorbenen Oriana Fallaci gewidmet ist, die in ihren Büchern „Die Wut und der Stolz“ und „Die Kraft der Vernunft“ auf heftigste gegen die Islamisierung Europas anschrieb. Leider finden sich bei Broder aber vor allem aneinandergereihte Beispiele ohne erkennbaren roten Faden.
Toleranz in jede nur denkbare Richtung wird zur Belanglosigkeit
„In einer Gesellschaft, in der fast jeder nach seiner Fasson glücklich werden darf, in der nicht mehr zwischen richtig und falsch, gut und böse, gesund und krank unterschieden wird, weil das bereits eine Wertung und eine Diskriminierung enthalten würde, in der man sich nicht einmal auf die Regeln der Rechtschreibung einigen kann, kann es auch keinen Konsens über die Grenzen der Toleranz geben.“
Natürlich hat Broder mit solchen überspitzten Aussagen recht, dennoch fehlt die Fortsetzung in eine Argumentationskette, was denn zum Beispiel Grenzen der Toleranz sein könnten. „Toleranz ist auch ein Mittel, der Wirklichkeit zu entkommen und sich dabei moralisch überlegen zu fühlen“, und „Deutschlands Freiheit wird am Hindukusch verteidigt. In Neukölln hat man sie schon aufgegeben“, zeugt von Broders Formulierkunst und Schlagfertigkeit und doch fehlt der nötige Zusammenhang der aufgezählten innen- und außenpolitische Fakten.
Die schier endlose Reihe der Beispiele islamischer Dominanz und westlicher Unterwerfung lassen den klar denkenden Leser natürlich erzürnen. Allerdings liefert Broder damit auch nicht viel Neues. Jeder, der halbwegs regelmäßig eine Zeitung liest – und der Autor zitiert diese seitenweise – weiß um all diese Ereignisse und Umstände.
Eine Theorie der (In-)Toleranz
Der Titel des Buches ließ hoffen auf eine Kritik, eine Theorie der Toleranz, wie sie etwa Lars Gustafsson in „Islam in Europa“ anstößt. Mit zwei einfachen Thesen hatte er das Problem auf den Punkt gebracht: „1. Die Toleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Intoleranz. 2. Die Intoleranz gegenüber der Intoleranz führt zur Toleranz.“ Soll heißen: Wir können nur gegenüber jenen Gruppen bzw. Gesellschaften tolerant sein, die gleiches für jedes ihrer Mitglieder gewährleisten. Der Islam tut dies keinesfalls, denn auf den Abfall vom Glauben steht für gewöhnlich die Todesstrafe.
Dass Broder nur Beispiele liefert ist schade, dennoch schafft er damit ein wahres Kompendium des Versagens unserer Politiker. Das Buch veranschaulicht dabei, dass es egal ist, wie tolerant wir gegenüber den Forderungen des politischen und fundamentalistischen Islams sind. Denn die Islamisten werden immer mehr fordern, ob wir nun gegen sie Krieg führen oder nicht, ob wir uns wie der Papst für etwas entschuldigen, was wir nicht getan haben oder nicht. Die islamischen Funktionäre wissen nur zu genau, wie sie das institutionalisierte schlechte Gewissen der Europäer gegenüber den ehemaligen Kolonien und insbesondere der Deutschen gegenüber dem Rest der Welt ausnutzen können. Broders Buch zeigt diese Perversion der Toleranz und den Ausverkauf unserer Freiheit in seiner ganzen Vielfalt. Dafür ist ihm dann doch wieder zu danken.
(Rezensiert am: 2009-03-27)
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Henryk M. Broder:
Kritik der reinen Toleranz.
,
wjs Verlag,
2008,
ISBN-13: 9783937989419,
18.00 €
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