Mina Ahadi, Sina Vogt:

Ich habe abgeschworen

Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe

Eine kompromisslose Forderung nach Freiheit und Selbstbestimmung!

Von Marie Hofer

Die aus dem Iran stammende Menschenrechtlerin Mina Ahadi ist Mitbegründerin und Vorsitzende des ‚Zentralrates der Ex- Muslime‘ (ZdE). Der Verein versucht seit 2007 vom Glauben abgefallenen Muslimen eine Stimme zu geben. Weil im Islam Apostatie mit dem Tod bestraft wird, erhalten die Autorin und zahlreiche andere Morddrohungen. In ihrem Buch „Ich habe abgeschworen“ legt die Exilantin ihre persönlichen Motive dar und kämpft für die Freiheit und gegen die Praxis des politischen Islams.

„Ich halte die Befreiung der Frauen für den Kernpunkt jeder freien Gesellschaft“

Für Mina Ahadi steht die Unterdrückung der Frau an zentraler Stelle ihrer Islamkritik. Denn am Grad der Selbstbestimmung der Frauen ließe sich die Fortschrittlichkeit jeder Gesellschaft festmachen. Jene Befreiung der Frauen sollte zu dem ohne Kompromisse und Eingeständnisse vollzogen werden, hier grenzt sich die Autorin deutlich von der iranischen Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi ab.

Zu dem kritisiert sie die Haltung vieler Westler, welche die Unterdrückung der Frau mit der freiheitlichen Auslebung der in andren Kulturkreisen gängigen Traditionen legitimieren. Mina Ahdai macht ganz klar, „dass die Unterdrückung der Frau keine kulturelle Eigenart ist, sondern eine Menschenrechtsverletzung“ und dass Freiheit bedeutet, nicht nur die eigene zu genießen, sondern auch Verantwortung für die der anderen zu übernehmen.

Biografisches

Schon als junge Frau kam die Autorin mit der marxistischen Ideologie in Verbindung, was in der Folge zu ihrer politischen Aktivität gegen das Schah-Regime führte. Sie trat vor allem für Frauenrechte ein, insbesondere nach der iranischen Revolution. Als ihr Mann wegen eben dieser politischen Aktivitäten hingerichtet wurde, lebte sie ein Jahr im Untergrund und floh anschließend zu den Partisanen die kurdischen Berge. Hier verbrachte sie 10 Jahre, bis sie 1990 nach Europa fliehen konnte.

Das marxistische Denken ist bei Mina Ahadi immer noch deutlich zu erkennen, wenngleich sich ihr politisches Engagement heute auf die Befreiung der Frauen und die Abschaffung menschenunwürdiger Praktiken im Islam konzentriert. Sie hat öffentlich abgeschworen, um ihre Ablehnung gegen den Islam deutlich zu machen.

Islam

Eigentlich betrachtet die Autorin den Islam als genuin politisch, weil er sich als einzig wahre Weltordnung versteht, „in der weltliche Gesetze nie die gleiche Bedeutung haben können, wie die angeblich von Gott gegebenen“. Sie differenziert aber dennoch ab und an zwischen Islam und politischem Islam, ohne dass Gründe dafür aufgezeigt werden. Hier hätte sie an einer eindeutigeren Begriffsbildung arbeiten müssen.

Islamverbände in Deutschland

Das Problem sei nicht die Religion an sich, die privat und ohne freiheitliche Grundsätze anzugreifen, ausgeübt wird, sondern der Islam. „Ich halte den Islam in seiner heutigen Form nicht für reformierbar“, sagt Ahadi und weist darauf hin, dass es für diese Reformen keiner staatlichen Anerkennung, keiner neuen Moscheen und keiner Scharia bedarf.

Ausdrücklich geht sie auf die Islamverbände ein, die hierzulande als gängige Gesprächspartner in Islamfragen hinzugezogen werden und auch genau das verlangen. Die Autorin stellt die wichtigsten von ihnen kurz vor und deckt dabei ihre Zwiespältigkeit und Nähe zu islamistischen Tendenzen auf. Für diese Erkenntnisse führt sie durchweg seriöse Belege, wie Internetauftritte der Vereine und Berichte vom Verfassungsschutz, an. Ihre Kritik richtet sich aber auch an den verantwortungslos-verharmlosenden Umgang der deutschen Politik mit den islamischen Organisationen.

Freiheit nach innen und außen

Schaut man nun auf die Forderungen dieser Islamvertreter, dann ist es reichlich schwer in einer demokratisch-freiheitlichen Gesellschaft Dinge wie Gleichstellung und Anerkennung des Islams mit anderen Religionen wie Christentum und Judentum abzuschlagen. Jedoch bedeutet gerade diese demokratische Gleichbehandlung eine Gefahr. Schafft man z.B. einen Islamunterricht in der Schule, kann eine ideologische Prägung, welche ihrerseits Unterdrückung und Gewalt predigt, kaum mehr verhindert werden. Was wir somit bei unseren freiheitlichen Rechten, die wir jedem zubilligen, beachten sollten, ist zum einen, ob sie unsere Freiheit gefährden und zum anderen, ob diese Rechte auch bis in die Tiefen dieser Organisationen Bestand haben. Z.B. sieht der Islamrat seine Aufgabe unter andrem darin, „den Muslimen zu islamgerechtem Verhalten zu verhelfen“, was die Autorin vollkommen richtig als Unterdrückung von Frauen entlarvt.
Mittelalterliches Denken

Ahadi weist in ihren Ausführungen darauf hin, dass Todesstrafe, Steinigung, Frauenunterdrückung und Kriegsführung im Namen des Glaubens schon aus vorislamischer Zeit, sowie aus anderen Regionen bekannt sind. Jedoch muss es einen Grund dafür geben, warum wir diese Sitten heute gerade im Zusammenhang mit dem Islam antreffen: Eben weil sich diese mittelalterlichen Methoden mit dem mittelalterlichen Denken des politischen Islams decken.

Schaut man auf das Thema Terrorismus, zeigt sich ein ähnliches Bild. „Nicht alle Moslems sind Terroristen, aber es ist kein Zufall, dass diese Terroristen alle Moslems sind“, stellt Ahadi im Zusammenhang mit den Anschlägen vom 11.September fest und fordert daher zum genaueren Hinsehen auf, ohne Tatsachen zu beschönigen.

Dem Buch fehlt die Struktur

„Ich habe abgeschworen“ ist weder eine reine Autobiografie, noch ein politisches Pamphlet oder eine wissenschaftliche Abhandlung über den Islam. Es ist von allem etwas, bunt gemischt über alle 264 Seiten. Es lässt sich weder eine logische und aufeinander bezugnehmende Argumentationskette, noch eine stringente zeitliche Chronologie finden, dem Buch fehlt die Struktur. Damit nimmt sich die Autorin viel von der Überzeugungskraft ihrer Ausführungen, weil sie einzelne Bereiche teilweise nicht ausreichend vertieft und wichtige Argumente in der unübersichtlichen Gliederung untergehen. Leider überzeugt das Buch auch an den autobiografischen Stellen vor allem sprachlich nicht ganz und das ist gemessen an dem bedeutenden Inhalt des Buches einfach schade.

Mina Ahadi, Sina Vogt: Ich habe abgeschworen. Warum ich für die Freiheit und gegen den Islam kämpfe, Heyne Verlag (Random House), 2008, ISBN: 3453152883, 19.95 €

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