Sherry Jones:
Große Lobhudelei des angeblichen Propheten Mohammeds - politisch harmlos, historisch unbedarft und literarisch meist fad!
Von Felix Struening
Es gibt Bücher, die erlangen nur Ruhm bzw. Bekanntheit, weil es irgendeinen Skandal darum herum gibt. Oft hat dies kaum etwas mit dem Inhalt des Werkes zu tun. So auch im Fall „Aischa“: Der historische Roman über die Lieblingsfrau des Propheten Mohammeds rückte bereits vor seinem Erscheinen in den Mittelpunkt der Öffentlichkeit, weil der amerikanische Verlag Ballantine ihn aus Angst vor islamistischen Anschlägen nicht veröffentlichen wollte. Dabei finden sich in dem Buch keinerlei islamkritische Elemente, stattdessen eine permanente Lobhudelei Mohammeds.
Der Skandal um die Veröffentlichung
Das Aufsehen begann mit der Islamwissenschaftlerin Denise Spellberg von der Universität von Texas. Sie wurde vom Verlag um eine Einschätzung des Buches gebeten, hielt den Roman aber nicht nur für pornografisch, sondern sogar gefährlich. Er verletze die Gefühle der Muslime und könne zu Anschlägen radikaler Gläubiger führen. Daraufhin zog der Verlag das Buch zurück und verpflichtete die Autorin Sherry Jones zum Stillschweigen über die Gründe, damit sie ihre Rechte an dem Roman zurückerhielt. Anfang August 2008 wurde der Vorfall jedoch im Wall Street Journal publik gemacht. Darauf entwickelte sich ähnlich wie bei den Mohammed Karikaturen eine breite Protestwelle unter den Muslimen gegen den Mohammed-Roman. Keiner von den Aufgebrachten hatte jedoch auch nur eine Zeile davon gelesen. Schließlich war das Buch nach wie vor unveröffentlicht.
Dass das Buch trotzdem veröffentlicht wurde und sich mit dem Pendo Verlag ein Herausgeber auch für den deutschen Sprachraum fand, ist nicht zu unterschätzen. Ausnahmsweise hat der westliche Multikulturalismus nicht den Forderungen der fundamentalistischen Religion Islam nachgegeben. Zwar war die Reaktion im Westen keinesfalls so geschlossen und überwältigend, wie 1989 bei der Fatwa des iranischen Staatschefs Khomeini gegen Salman Rushdie, es gab aber auch keinen einzigen konkreten Hinweis zu geplanten Anschlägen auf die Autorin. Lediglich ein Brandsatz beschädigte das Haus des britischen Verlegers – wieder ohne dass die Täter Wissen vom wirklichen Inhalt des Buches haben konnten.
Wichtige Fakten zu Buch und Kontext
Stefan Weidner hat in seiner fachlich hervorragenden Rezension in der FAZ einige Punkte genannt, von denen die wichtigsten hier zum Verständnis des Buches in seinem historischen Kontext aufgeführt werden.
Erstens sind die Proteste völlig unverständlich, da Sherry Jones sich auf Standardwerke zum Leben Mohammeds von Orientalisten und Muslimen beruft. Auch die entscheidende Szene um den möglichen Ehebruch Aischas ist den historischen Quellen zu entnehmen und allenfalls literarisch verwässert.
Zweitens bleibt die Autorin so nah an den islamischen Quellen, dass man ihr heutzutage eigentlich einen Plagiatsvorwurf machen müsste. Handlung, dramatischer Höhepunkt und Erzählhaltung sind der Tradition entsprechend. Auch dort berichtet Aischa selbst, was im vorliegenden Roman dazu führt, dass alle anderen Figuren kaum an Kontur gewinnen.
Drittens bemerkt Stefan Weidner die eingangs bereits erwähnte Lobpreisung Mohammeds. Hier ist hinzuzufügen, dass das Bild des Religionsgründers völlig verfälscht wird. Von Aischa im Roman immer als liebenswürdig und gnädig beschrieben, war Mohammed in Wirklichkeit nicht nur ein ungebildeter Analphabet, sondern befahl auch direkt den Mord von Tausenden von Juden, mal abgesehen davon, dass er Aischa im zarten Kindesalter von sechs Jahren heiratete und drei Jahre später entjungferte. Die im Buch seitens Aischas so ersehnte sexuelle Vereinigung dürfte eher einer brutalen Kindervergewaltigung gleichgekommen sein. Hier empfiehlt sich die Lektüre des Buches "Der Harem des Propheten" vom Arzt Johann Georg Mausinger.
Als vierten wichtigen Punkt erwähnt der FAZ-Rezensent, dass Denise Spellberg 1994 selbst eine sehr gute Dekonstruktion der islamischen Aischa-Legenden vorlegte. Diese Arbeit war eine viel größere Provokation der islamischen Lehre und Tradition, als der weichgespülte Aischa-Roman Sherry Jones‘. Da diese sich jedoch auf die von Denise Spellberg selbst dekonstruierten Legenden beruft, musste der Roman ein schlechtes Urteil der Islamwissenschaftlerin erhalten.
Politisch harmlos, historisch unbedarft und literarisch fad
Hinzuzufügen bleibt, dass „Aischa“ neben seiner politischen Harmlosigkeit und der geschilderten historischen Unbedarftheit literarisch nicht überzugen kann. Kaum ist der Spannungsbogen bis zu einer Schlacht gespannt, ist sie auch schon wieder vorbei, die Handlung besteht mehr aus dem Zwischendrin, als aus wirklichen Elementen. Neid, Eifersucht und Stolz prägen die Gefühle der Charaktere und natürlich vor allem Aischas. Der Vorwurf der Pornografie ist jedoch maßlos überzogen. Nur selten vermag man ein wenig Ironie zwischen den Zeilen zu erkennen, etwa wenn die Autorin Mohamed sagen lässt: „Jede Ehe, die ich eingehe, jede Konkubine, die man mir schenkt, dient nur zum Guten der Umma [die islamische Gemeinschaft], zum Schutz gegen unsere Feinde.“
Die Frage bleibt also, warum so ein Aufsehen um ein derart belangloses Buch gemacht wird. Die Frage bleibt auch, warum die Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali sich hinreißen lässt, für „Aischa“ Werbung zu machen und die Autorin als mutig zu bezeichnen. Wenn selbst die schleimige Fiktionalisierung des Lebens Mohammeds inzwischen des Mutes bedarf, fragt man sich schlussendlich, in was für einer Welt wir inzwischen leben.
(Rezensiert am: 2009-03-05)
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Sherry Jones:
Aischa.
Das Juwel von Medina,
Pendo Verlag,
2008,
ISBN-13: 9783866122192,
19.95 €
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