Ayaan Hirsi Ali:
Ayaan Hirsi Alis erster Roman überzeugt leider nicht – wo ist sie hin, die schärfte Zunge im Kampf gegen den Islam?
Von Felix Struening
Ayaan Hirsi Ali ist die wohl weltweit bekannteste Islam-Kritikerin. Ihr Buch „Ich klage an. Plädoyer für die Befreiung der muslimischen Frauen“ und ihre Autobiografie „Mein Leben, meine Freiheit“ wurden zu Weltbestsellern. In ihren Werken kritisiert Ayaan Hirsi Ali die Rückwärtsgewandtheit des Islams, seine Dogmen und insbesondere die Gewalt gegen Frauen unter Muslimen. Mit „Adan und Eva“ legt die Autorin nun ihr erstes literarisches Werk vor, leider ohne damit überzeugen zu können.
Juden, Muslime und die Probleme der Religionen
In einer literarisch wenig überzeugenden und argumentativ faden Erzählung berichtet Ayaan Hirsi Ali von Adan und Eva, die sich kennen und lieben lernen, deren Liebe aber von Anfang an zum Scheitern verurteilt ist. Überstilisiert dargestellt, befinden die beiden sich am oberen und unteren Ende der Gesellschaft, sie sind beide auf ihre Art Außenseiter: Die jüdische Eva wächst unter luxuriösen Umständen mit Chauffeur auf, der marokkanische Adan hingegen im Amsterdamer Ghettoviertel Slotermeer. Eva ist die ungeliebte Stieftochter, Adan der jüngste Sohn und von seiner Familie verachtet.
Beide Figuren wirken dabei wie zwei Relikte überkommener religiöser Traditionen, in denen die Menschen Adan und Eva zu Grunde gehen. Doch bei der Betrachtung der Zurückgebliebenheit beider Religionen wird die Autorin allzu gleichmachend. Die Dekadenz in reichen jüdischen Familien ist schwerlich gleichzusetzen mit der Brutalität islamischer Bräuche und Traditionen. Auch verwundert an dieser Stelle der Untertitel des Buches, da der Leser nicht nur dem Islam, sondern auch mit dem Judentum begegnet.
Die Kritik am Islam steht zwar im Vordergrund und Themen wie Zwangsheirat, Gewalt gegen Frauen, Parallelgesellschaften und Integrationsprobleme werden angesprochen. Dennoch lernt der Leser zusammen mit den Protagonisten nicht mehr, als das es diese Probleme im und mit dem Islam gibt, ohne Hinweise auf traditionelle Ursprünge oder religiöse Quellen zu finden. Die Autorin liefert keinerlei Argumentation, warum dieses oder jenes passiert.
Hinzu kommt, dass der Konflikt scheinbar auf die Auseinandersetzung zwischen Juden und Muslimen beschränkt wird, dass der Israel-Palästina-Konflikt als Ursprung islamischer Aggression vermittelt wird. Der Fundamentalismus muslimischer Einwanderer bedroht aber vor allem Europa und der Islamismus entstand in seiner heutigen Form mit Gründung der Muslim Bruderschaft 1928 in Ägypten. Das war lange vor der Gründung Israels. Ayaan Hirsi Ali weiß dies genau.
Auch literarisch gleicht „Adan und Eva“ eher einem Jugendroman für die achte Klasse, das Buch ist nicht nur sehr kurz, es wirkt auch irgendwie zu moralisch. Zu überdeutlich ist die Anspielung auf die biblische Schöpfungsgeschichte und zu sehr gleicht die Handlung einem Romeo und Julia-Plot ohne emotionalen Tiefgang.
Merkwürdige Kombination von Roman und Essay
Besonders merkwürdig mutet jedoch die Aufteilung des Buches an: Nach 115 Seiten endet der Roman, es folgt eine kurze Zusammenfassung der Biografie Ayaan Hirsi Alis sowie zwei Auszüge aus ihrer Autobiografie und „Ich klage an“. Wäre die Autorin eine unbekannte und gälte es, in die Thematik erst einführen zu müssen, wäre diese Kombination von literarischen und Sachtexten noch irgendwie verständlich. Aber Textteile aus zwei Bestsellern von einer der berühmtesten Frauen unserer Zeit erneut abzudrucken, macht einfach keinen Sinn.
Stattdessen wünschte man sich mehr von den schlauen Argumenten und provozierenden Thesen der Autorin, wie sie sie zuletzt in dem Sammelband „Islam in Europa“ veröffentlichte und damit erst den Anstoß für die rege Diskussion der im Buch vertretenen Intellektuellen gab.
Was wollte Ayaan Hirsi Ali also mit diesem Buch erreichen? Die gebürtige Somali war wegen einer drohenden Zwangsverheiratung aus Kenia in die Niederlande geflohen, wo sie nach einem Politikstudium Abgeordnete im Parlament wurde. 2006 musste sie aus Europa fliehen, weil Islamisten sie mit dem Tod bedrohten, nachdem sie den islamkritischen Film „Submission – Part 1“ gedreht hatte. Der Regisseur des Filmes, Theo van Gogh wurde von einem radikalen Muslim auf offener Straße niedergemetzelt, auf der Brust des Opfers fand sich die Morddrohung gegen Ayaan Hirsi Ali.
Seitdem steht die Autorin unter ständigem Personenschutz und forscht in den USA zum Islam. Sie dürfte also genug Stoff für kritische Analysen haben, die der europäischen und US-amerikanischen Politik und Öffentlichkeit ausreichend Anlass gäben, zu einem konsequenteren Umgang mit dem Islam. Der vorliegende Roman wirkt hingegen wie ein Zugeständnis an die Muslime. Vielleicht will sie damit dem oft geäußerten Vorwurf entgehen, sie sei für die Muslima, die sich aus der Unterdrückung ihrer Männer befreien wollten, unerreichbar, weil sie sich so radikal von Islam abgewendet habe. Bleibt zu wünschen, dass Ayaan Hirsi Ali sich ihrer Stärken besinnt und dem von ihr prognostizierten Untergang des Islamismus mit scharfer Kritik weiter vorantreibt.
(Rezensiert am: 2009-03-19)
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Ayaan Hirsi Ali:
Adan und Eva.
Eine Begegnung mit dem Islam,
Piper Verlag,
2009,
ISBN-13: 9783492052795,
14.95 €
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